Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen stark angestiegen

Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen stark angestiegen

Die Zahlen, die die KKH Kaufmännische Krankenkasse erhoben hat, sind erschreckend. Die Fehlzeiten wegen seelischer Leiden sind im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 85 % gestiegen – so stark wie nie zuvor. Diese drastische Zunahme ist die Folge von Personalmangel, Inflation und Teuerung, Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie sozialem Ungleichgewicht.

Zugrundgelegt wurde die Anzahl der AU-Tage von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der KKH (ohne Arbeitslose und Rentner*innen) im 1. Halbjahr 2023.

Zahlen, Daten, Fakten

 In der ersten Jahreshälfte hatten 100 Mitglieder 303 Ausfalltage. Das komplette Vorjahresniveau von 339 Fehltagen sei damit schon fast erreicht. Auch die Arbeitsunfähigkeitsquote aufgrund seelischer Leiden stieg im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 32 %.

Laut Antje Judick, KKH-Arbeitspsychologin, deuten diese enormen Zuwächse daraufhin, dass es zunehmend schwere, langwierige Fälle psychischer Erkrankungen gebe. Das gehe zu Lasten der Kolleg*innen, die solche Arbeitsausfälle abfedern müssen und dadurch selbst dem Risiko eines Burnout oder erschöpfungsbedingter psychische Erkrankungen ausgesetzt seien.

Wiederkehrende Depressionen oder depressive Episoden verursachen die längsten Fehlzeiten. Am häufigsten von Ärzten diagnostiziert werden jedoch Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Sie stellen mit 41 % den größten Anteil der psychisch bedingten Krankschreibungen dar. Nicht verwunderlich, dass hier auch die AU-Quote am stärksten anstieg – um 42 %. Ein Indiz dafür, dass immer mehr Beschäftigte unter ungewöhnlich hohem Druck, großen Belastungen und Dauerstress stünden. Insbesondere betroffen sind Arbeitsnehmer*innen in sozialen Berufen, wie Alten- und Krankenpflege, in der Kinderbetreuung oder im Verkauf.

Forsa-Umfrage zu hohem Stresslevel

Das Meinungsforschungsinstitut forsa wurde von der KKH mit einer Umfrage zum Thema Stresslevel beauftragt. Befragt wurden dazu im Mai diesen Jahres 1.004 Personen im Alter von 18-70 Jahren.

Mit dem Ergebnis, dass 90 % der Befragten angaben, dass sie sich gelegentlich gestresst fühlen, davon ca. die Hälfte sogar häufig oder sehr häufig. Dass der Stress in den vergangenen ein bzw. zwei Jahren zugenommen habe, äußerten 60 %. Als besonders stressig empfinden sie ihren Beruf oder aktuelle Krisen wie Klimawandel und Inflation (je 47 %). 51 % sieht die Stressquelle jedoch in ihren hohen Ansprüchen an sich selbst. Weitere Stressfaktoren seien die ständige Erreichbarkeit (37 %) und finanzielle Sorgen (24 %).

Bei zwei Dritteln der Berufstätigen führe der Stress zu Erschöpfung und Burnout. Jeder/jede Dritte berichtet von niedergedrückter Stimmung und Depressionen. Unter stressbedingten Angstzuständen leidet jede/r sechste Beschäftigte.

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